Mit Auslandsaufenthalten die Nase vorn bei der Azubisuche

Auslandspraktika gehören für das Unternehmen zur Ausbildung. Wie ein international ausgerichtetes Unternehmen wie Dr. Oetker von Auslandsaufenthalten ihrer Auszubildenden profitiert erklärt Ina de Vries, HR-Managerin bei Dr. Oetker.

„Das offene Gespräch mit den Auszubildenden ist wichtig“

Ina de Vries


Dr. Oetker bildet innerhalb der Oetker-Gruppe das Dach zahlreicher Produktions- und Vertriebsgesellschaften, die in 43 Ländern aktiv sind und neben den Kernmärkten in Europa auch in Nord- und Südamerika sowie in Afrika, Asien und Australien agieren. Weltweit sind über 12.000 Mitarbeiter bei Dr. Oetker beschäftigt – rund 4.350 davon an den fünf deutschen Standorten. Vor über 125 Jahren in Bielefeld gegründet, zählt das Familienunternehmen Dr. Oetker zu den führenden Markenartikelunternehmen der deutschen Ernährungsindustrie.

Diese internationale Ausrichtung wirkt sich auch auf die Ausbildung im Unternehmen aus. Im Gespräch erklärt Ina de Vries, HR-Managerin am Unternehmensstammsitz in Bielefeld, warum Dr. Oetker von den Auslandsaufenthalten seiner Auszubildenden profitiert.

Portrait Ina de Vries

Frau de Vries, wie lange bietet Dr. Oetker seinen Auszubildenden schon die Möglichkeit, im Rahmen ihrer Ausbildung ins Ausland zu gehen?
Kürzere Auslandseinsätze bieten wir schon seit Ende der 1990er-Jahre an, circa 80 Einsätze sind es bis heute. Und seit 2012 haben alle kaufmännischen Auszubildenden und dualen Studierenden unseres Unternehmens generell die Möglichkeit, im Rahmen ihrer Ausbildung für zwei bis drei Monate ins Ausland zu gehen.

2019 nutzten Sie dafür zum ersten Mal das Förderprogramm AusbildungWeltweit. Was hat sich dadurch für Sie geändert?
Durch das Förderprogramm können wir die Internationalisierung unserer Ausbildung auf noch stabilere Füße stellen – und mehr kostenintensive Aufenthalte außerhalb Europas durchführen. Das ist sowohl für die Auszubildenden als auch für das Unternehmen interessant.

Und wie geht die Auswahl der Betriebe im Ausland vonstatten? 
Die aufnehmenden Betriebe sind bei uns immer unsere Landesgesellschaften. Mit diesen stehen wir im engen Austausch. Und wenn wir dann die Einsatzmöglichkeiten unserer Auszubildenden in den Ländern sondieren, fragen wir auch gleich ab, in welchen Bereichen sie eingesetzt werden und welche Tätigkeiten sie dort übernehmen sollen. Wir prüfen also im Vorfeld, wie der Bedarf ist, damit der Aufenthalt für beide Seiten sinnvoll ist.

Wie passen Sie diese Auslandsaufenthalte zeitlich an die Ausbildungspläne an?
Die Auslandsaufenthalte der Azubis finden zwischen den Schulblöcken im zweiten oder dritten Ausbildungsjahr statt. Sie dauern dann normalerweise zwischen acht und dreizehn Wochen. Das heißt, die Ausbildungsdauer hier im Unternehmen wird zugunsten der Zeit im Ausland verkürzt. Die schulische Ausbildung bleibt davon unberührt.

Die Auszubildenden sind ja während ihres Auslandsaufenthaltes für einige Wochen nicht im Betrieb – inwiefern zahlt sich der Auslandsaufenthalt für Sie trotzdem aus?
Auszubildende sind ja zum Lernen im Betrieb und nicht zur Bewältigung des Tagesgeschäftes. Es würde sich also insofern nicht mehr auszahlen, wenn sie hier vor Ort wären. Für uns ist der Aufenthalt im Ausland ein wichtiger Baustein der Ausbildung und zudem ein großer Beitrag zur persönlichen und interkulturellen Entwicklung unseres Nachwuchses.
 

Außerdem stellen wir fest, dass dieses Angebot direkte Auswirkungen auf die Bewerbungssituation in unserem Unternehmen hat. Viele Kandidatinnen und Kandidaten entscheiden sich nämlich bewusst für Dr. Oetker als Ausbildungsbetrieb, weil wir diese Auslandseinsätze anbieten.

Ina de Vries

Was müssen Unternehmen Ihrer Meinung nach beachten, wenn sie Ihren Auszubildenden die Möglichkeit eines Auslandsaufenthaltes bieten wollen?
Wichtig ist ein offenes und ehrliches Gespräch mit den Auszubildenden über ihre Wünsche und Vorstellungen. Zum Beispiel ist es wichtig zu wissen, in welche Länder sie gerne reisen würden – und in welche eher nicht. Dann gibt es auch Auszubildende, die vielleicht noch unsicher sind, ob sie überhaupt ins Ausland gehen möchten. Ihnen könnte man vielleicht anbieten, andere Standorte in Deutschland zu unterstützen, sofern diese Möglichkeit besteht.