Bundesministerin Anja Karliczek über AusbildungWeltweit

Anja Karliczek, die Bundesministerin für Bildung und Forschung erklärt im Interview die Hintergründe und Ziele des Förderprogramms AusbildungWeltweit.
 

Bundesministerin Anja Karlczek im Portrait

Anja Karliczek | Fotografin: Rauß Fotografie

Frau Ministerin, AusbildungWeltweit ist 2017 als Pilotprojekt gestartet und geht jetzt in ein reguläres Förderprogramm über. Was ist der bildungspolitische Hintergrund dieser Initiative?

Auslandserfahrung ist persönlich wie beruflich eine Bereicherung. Durch einen Auslandsaufenthalt wächst zum Beispiel das Verständnis für andere Kulturen, Arbeits- und Lebensweisen, man lernt Fremdsprachen und schließt neue Freundschaften. Unsere Gesellschaft und Wirtschaft wird immer vielfältiger und internationaler. Auslandserfahrung und internationale Kompetenzen sind bei unseren global agierenden Unternehmen zunehmend gefragt. Was bei Studierenden immer mehr zur Selbstverständlichkeit wird, soll auch für Auszubildende gelten. Denn berufliche und akademische Bildung sind gleichwertig. Während von 100 Studierenden 38 im Ausland Erfahrungen sammeln, sind es bei den Azubis bislang noch nicht einmal sechs. Mit AusbildungWeltweit wollen wir mehr Azubis während ihrer Ausbildung ins Ausland bringen.


Was zählt zu konkreten Vorteilen von Auslandserfahrung für die Wirtschaft?

Azubis gewinnen durch einen Auslandsaufenthalt persönlich und fachlich. Sie werden wertvolle Fachkräfte für künftige Arbeitgeber. Deutsche Unternehmen sind weltweit aktiv und sind auf Fachkräfte angewiesen, die sich im internationalen Arbeitsumfeld sicher bewegen können. Der Grundstein dafür kann bereits während der Berufsausbildung gelegt werden. Lernphasen im Ausland stärken sprachliche und interkulturelle Kompetenzen. Sie fördern Schlüsselqualifikationen wie Selbstständigkeit, Motivation und Flexibilität – wichtige Kompetenzen in einer sich wandelnden Arbeitswelt.

Lässt sich der Bedarf in der Wirtschaft an konkreten Zahlen festmachen?

Der Bedarf liegt auf der Hand. Die deutsche Wirtschaft ist international, nahezu jeder vierte Arbeitsplatz hängt vom Export ab. An mehr als der Hälfte der Arbeitsplätze, die eine Berufsausbildung voraussetzen, sind Fremdsprachenkenntnisse erforderlich, Tendenz steigend. Die Volksrepublik China und die USA sind bedeutende Zielregionen für den Außenhandel. Der Anteil der Auszubildendenaufenthalte in diesen Länder liegt aber nur bei rund ein bzw. zwei Prozent und ist damit deutlich unterrepräsentiert. Hier setzen wir mit AusbildungWeltweit an: Es werden mehr und längere Lernaufenthalte in Ländern möglich, die wirtschaftlich von Bedeutung sind.

Welche Ziele verfolgt die Bundesregierung mit AusbildungWeltweit?

Die Attraktivität der beruflichen Bildung in Deutschland voranzubringen, das ist mir ein Herzensanliegen. Sie gilt international als deutsches Erfolgsmodell. Das ist sie auch deshalb, weil wir sie kontinuierlich auf dem Stand der Zeit halten. Und da ist in einer Zeit zunehmender internationaler Vernetzung Auslandserfahrung ein wichtiger Punkt. Es ist unser Ziel, den Anteil bei betrieblichen Auszubildenden mit Auslandserfahrung auf zehn Prozent zu steigern. Dafür braucht es Unterstützung, auch finanzieller Art. Das EU-Programm Erasmus+ fördert Lernaufenthalte innerhalb von Europa. Mit AusbildungWeltweit ergänzen wir die europäischen Anstrengungen und ermöglichen berufliches Lernen in allen anderen Ländern weltweit. Das ist ein echter Mehrwert und macht die berufliche Bildung gerade auch für Neugierige und Leistungsstarke noch attraktiver.

Wenn Sie das Programm in aller Kürze erklären müssten, an wen richtet sich AusbildungWeltweit, wer kann was machen?

AusbildungWeltweit richtet sich an Ausbildungsbetriebe, Kammern oder andere nicht-schulische Einrichtungen der Berufsausbildung. Sie können Zuschüsse für Auslandsaufenthalte im Rahmen der Berufsausbildung beantragen, also für die Fahrt, den Aufenthalt, die Vor- und Nachbereitung sowie die Organisation der Aufenthalte. Der Fokus des Programms liegt auf den Auszubildenden: Für betriebliche Auszubildende können Aufenthalte zwischen drei Wochen und drei Monaten bezuschusst werden. Aber auch Ausbilderinnen und Ausbilder profitieren von Auslandserfahrung, um die Berufsausbildung insgesamt internationaler zu machen Für diese Zielgruppe sind Zuschüsse für Aufenthalte bis zu zwei Wochen möglich. So können wir mit AusbildungWeltweit die Ausbildungsbetriebe gleichzeitig dabei unterstützen, ihre Attraktivität zu steigern.

… und wieviel Geld möchte die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode investieren?

In 2019 werden wir drei Millionen Euro für AusbildungWeltweit bereitstellen. Das bedeutet eine Verdreifachung des Budgets aus der Pilotphase. Für die nächsten Jahre ist ein weiterer deutlicher Anstieg der Mittel geplant. Längerfristig wollen wir ein Prozent der Auszubildenden erreichen.

Blicken wir in die Zukunft: Wo sehen Sie AusbildungWeltweit perspektivisch?

Wir wünschen uns, dass AusbildungWeltweit von den Ausbildungsbetrieben als Qualifizierungschance für ihre Auszubildenden und Ihre Ausbilderinnen und Ausbilder angenommen und genutzt wird. Mit AusbildungWeltweit geben wir Betrieben ein attraktives Instrument für eine moderne und bedarfsorientierte Berufsausbildung an die Hand.