Christopher Pelkmann bei der Arbeit im Auslandspraktikum

Die Kollegen in der Ukraine haben mir gezeigt, wie man entspannter mit der Arbeit umgeht. Ich versuche jetzt, das zu verinnerlichen und selbst nicht so stressig zu werden, wenn es mal hektischer ist.

Mit Händen und Füßen verständigt - Auslandspraktikum in der Ukraine

Christopher Pelkmann ist im 3. Ausbildungsjahr als Auszubildender zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik bei der VEKA AG. Vom 14. Oktober bis zum 3. November 2018 absolvierte er sein Auslandspraktikum bei der VEKA Tochterniederlassung in Brovary, Ukraine. Für uns berichtet er von seinem Auslandspraktikum in Brovary.

Ich mache bei der VEKA AG eine Ausbildung, wir produzieren weltweit Profile für Kunststoff-Fenster. Für uns Auszubildende war von Anfang an klar, dass wir bei VEKA grundsätzlich die Möglichkeit für einen Auslandsaufenthalt haben. VEKA hat zum Beispiel Tochterniederlassungen in den USA, in England, Frankreich, Spanien und eben auch in der Ukraine. Für unseren Auslandsaufenthalt konnten wir drei Wunschorte angeben. Die Ukraine lag auf meiner Wunschliste mit vorne, weil ich dachte, dass es eben mal etwas ganz anderes ist, weil es außerhalb der EU liegt.

Ladas sind noch sehr typisch im Straßenbild in der Ukraine © AusbildungWeltweit | Christopher Pelkmann

Auf der einen Seite ist die Denkweise in Arbeits- und Rechtssystemen, also wie etwas aufgebaut ist und abläuft, wie bei uns. Da merkt man die Orientierung an der EU. Aber die Mentalität ist in mancher Hinsicht schon eine andere. Bei der Arbeit zum Beispiel steht man nicht so stark unter Zeitdruck. Man ist insgesamt entspannter, das betrifft auch andere Lebensbereiche, es ist nicht alles so reguliert. Kleines Beispiel: Als ich einmal mit anderen in ein Auto gestiegen bin, war ich verwundert, dass ich der Einzige war, der sich angeschnallt hat.

Brovary ist Stadt mit vielen Kontrasten. Es gibt zum Beispiel sehr viele moderne Hochhäuser und gleichzeitig sehr alte Gebäude, das prägt das Stadtbild. Diese Kontraste findet man auch anderswo. Neben alten Ladas fahren neue Mercedes-Wagen und VWS durch die Straßen. War man eben noch auf einer guten Straße, sieht man dann eine mit vielen Löchern.

Außerdem gibt es viele junge Leute in Brovary, weil es eine Studentenstadt ist.

Insgesamt haben die Menschen eine liebe, sehr freundliche und offene Art. Wenn man in Deutschland Fremde anspricht, wird man erst einmal komisch angesehen, dort sind die Menschen sehr interessiert: `Ah, jemand von außerhalb, malschauen.´ Gleichzeitig kam es mir manchmal so vor, als sei die Lebensfreude der Menschen eher gedämpft durch die Ereignisse auf dem Maidan, den Auseinandersetzungen und Etwicklungen auf der Krim und im Osten des Landes.

Christopher mit seinem Arbeitskollegen Andre © AusbildungWeltweit | Christopher Pelkmann

Im Grunde habe ich dort die gleiche Arbeit gemacht, die ich auch hier mache. Unsere Tochterniederlassung in der Ukraine produziert für den osteuropäischen Markt. Ich habe Maschinen hochgefahren und bedient. Geholfen hat mir, dass die Maschinen und Prozesse bei uns im Unternehmen überall gleich sind. Das heißt, wenn ich in Deutschland eine Maschine bedienen kann, kann ich das auch in der Ukraine.

Hier seht ihr meinen Arbeitsplatz in der Anwendungstechnik. © Christopher Pelkmann | VEKA

Die Arbeit war entspannter. Das betrifft nicht die Qualität der Produkte, sondern die Quantität. Allein das Pensum war ein ganz anderes. In Brovary gibt es sechs Anlagen, in Deutschland haben wir 80. Die Kollegen dort haben insgesamt einen gelasseneren Umgang mit der Produktion, sie haben mir vermittelt „Wenn die Anlage läuft, dann läuft sie, sei nicht besorgt.“ Gleichzeitig konnte ich selbständiger arbeiten.

Flugzeug im Park in Brovary © Christopher Pelkmann | VEKA

Ich bin jedes Wochenende an beiden Tagen nach Kiew gefahren und habe die Stadt erkundet. Ich wollte wissen: Wo bin ich hier? Sehr beeindruckt haben mich die vielen Gedenkstätten für die Opfer des Maidan und der Kriege, Soldaten und Bürger. Man läuft an langen Bildwänden vorbei und es wird einem klar: `Das ist real und nicht weit weg.´

Im Bus von Kiew bin ich zufällig mit einem ukrainischen Studenten ins Gespräch gekommen, der gut Englisch sprach. Wir haben dann Telefonnummern ausgetauscht und er hat mich an einem Abend mit nach Kiew zum Feiern genommen. Es waren noch andere Freunde von ihm dabei. Ich hätte mir das vorher auch nie vorstellen können, wie einfach der Kontakt zustande kam. Das war ein ganz besonderer Abend, es war alles ganz zwanglos, ich fühlte mich direkt aufgenommen, als wir am Friedensplatz standen und zusammen überlegt haben, was wir jetzt machen. Die Ukrainer feiern sehr ausgelassen, vielleicht als Gegengewicht zu den Problemen, dem Krieg.

Was hast du für dich mitgenommen?

Ich muss sagen, ich bin vor allem zwischenmenschlich gewachsen. Ich habe Selbstvertrauen gewonnen, weil ich mich immer, wenn ich mich in der Ukraine gefragt habe `Wie machst Du das jetzt?´, überwinden und jemanden ansprechen musste. Ich war alleine, da muss man offen sein und sehen, was kommt. Und es war toll, wirklich einmal ein anderes Land kennenzulernen, das nicht in der EU ist.

Christopher