"Ich bin selbst Teil der Geschichte"

Tania Gamburgo, Personalleiterin bei der Haver & Boecker OHG in Oelde, hat selbst erlebt, wie wichtig Auslandserfahrungen im Berufsleben sind. Im Interview zeigt sie aus Personalersicht auf, was Auslandspraktika zur Fachkräftegewinnung beitragen.

Tania Gamburgo, Personalleiterin bei der Haver & Boecker OHG in Oelde, hat selbst erlebt, wie wichtig Auslandserfahrungen im Berufsleben sind

Die 1887 gegründete Haver & Boecker OHG ist ein mittelständisches Familienunternehmen mit Sitz im westfälischen Oelde, das in den Bereichen Drahtweberei und Maschinenfabrik innovative Lösungen für Verpackung, Lagerung, Logistik und Aufbereitungstechnik entwickelt. Als Technologieführer ist sie auf nationalen wie internationalen Märkten aktiv und hat weltweit rund 3.000 Beschäftigte, die Hälfte davon in Oelde. In verschiedenen Berufsfeldern werden insgesamt 90 Nachwuchskräfte ausgebildet.

Portrai von Tania Gamburgo

Tania Gamburgo | Haver & Boecker OHG

Welche Bedeutung hat AusbildungWeltweit für Ihr Unternehmen?
Gamburgo: Das Programm eröffnet uns die Chance, die Auslandsangebote für unsere Azubis auf ein neues Level zu heben. Wir bieten seit 2011 die Möglichkeit zum Auslandspraktikum, haben es bislang aber selbst organisiert. „AusbildungWeltweit“ gibt uns die Möglichkeit, das Ganze in größerem Stil zu realisieren und die dazu notwendigen Voraussetzungen zu schaffen.

Wie sieht das in der Praxis aus?
Gamburgo: Im Jahr 2018 haben wir zehn Auszubildende für jeweils vier Wochen entsendet, sowohl in die USA als auch in Länder wie Südafrika, Australien oder Indien. Von den Fachrichtungen her waren es Industriemechaniker, Elektro-Mechatroniker oder Industriekaufleute sowie Azubis aus IT-Berufen und Technische Produktdesigner. Ich finde, das ist für ein mittelständisches Unternehmen wie uns eine stolze Zahl.

Um an dem Programm zu partizipieren, brauchen Sie verlässliche Partner. Wie lösen Sie das in den jeweiligen Ländern?
Gamburgo: Unsere Azubis gehen in ausländische Tochterfirmen, die sich auch um die inhaltlichen und organisatorischen Dinge kümmern. Dabei stimmen wir die Inhalte der Praktika zuvor sehr genau ab, um die Azubis möglichst passgenau einsetzen zu können. Das Programm trägt dazu bei, dass wir auch diese Prozesse weiter professionalisieren können.

Worin sehen Sie als Personalleiterin die Vorteile einer Auslandserfahrung? 
Gamburgo: Wir merken, dass die Angebote für unsere Auszubildenden sehr attraktiv sind. Ich selbst sehe darin einen großen Nutzen für unser Unternehmen, zumal meine eigene Geschichte eng damit verwoben ist. Ich komme aus Brasilien und bin sozusagen „ein Teil der Geschichte“, da ich selbst zahlreiche Auslandspraktika gemacht habe. Ich weiß, wie wichtig es ist, unterschiedliche Sichtweisen und Arbeitsmentalitäten zu kennen und zu verstehen. Das trägt enorm zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit bei.

Ist das für Ihr Unternehmen auch ein Wettbewerbsvorteil?
Gamburgo: Ja, vor allem, wenn es darum geht, uns im Kampf um Auszubildende zu positionieren. Um als Arbeitgeber attraktiv zu sein, müssen wir den jungen Leuten gute Angebote unterbreiten. Viele unserer Azubis kommen aus der Region, da spricht sich so etwas herum. Hinzu kommt, dass wir dadurch qualifizierte Fachkräfte besser an uns binden können.

Wie wichtig ist Auslandserfahrung bei Personalentscheidungen heute?
Gamburgo: Das ist – zumindest bei uns – auf jeden Fall ein Pluspunkt. Egal in welchem Beruf oder an welchem Arbeitsplatz – irgendwann gibt es Projekte und Kontakt mit Menschen aus anderen Ländern. Daher spielen soziale und interkulturelle Kompetenzen eine bedeutende Rolle: Wer offen für unterschiedliche Kulturen ist, wird im globalen Wirtschaftsleben mehr erreichen – gerade in einem Unternehmen, das zu circa 80 Prozent Export betreibt.

Sie sagten eingangs, Ausbildung Weltweit schaffe die Möglichkeit, Ihre Aktivitäten auszuweiten. Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?
Gamburgo: Wir wollen unser Praktikumsangebot weiterführen und ausbauen, brauchen dazu aber auch entsprechende Strukturen vor Ort, um die Projekte erfolgreich zu realisieren. Daran müssen wir arbeiten. Ich glaube aber, unsere Tochterfirmen wissen mittlerweile selbst, wie sehr sie von diesen Dingen profitieren – zum Beispiel, weil die Leute, die zu ihnen kommen, sehr gut ausgebildet sind.